Skip to content

Da berührten sich für mich Himmel und Erde – Taufen in der Elbe

In Dresden fand am 6. September zum zweiten Mal ein Tauffest statt. Ca. 80 Menschen ließen sich taufen. Und ich durfte eine der taufenden Pfarrerinnen und Pfarrer sein!

Manche brachten „ihre“ Täuflinge mit. Ich nicht. Ich hatte mich einfach bereit erklärt, falls nötig, mitzumachen. Ich bin niemand, der Events braucht, aber wenn es ein Bedürfnis gibt, sollte es solche Möglichkeiten geben. Sechs Täuflinge wurden mir zugeteilt. Vier Kinder und zwei Erwachsene. Bei einem Treffen lernten wir uns kennen und gingen auch schon gemeinsam an die Elbe, um alles abzusprechen. Dabei kam der Wunsch auf, getauft zu werden wie Jesus. Mit dem ganzen Körper unter Wasser zu sein.

Ich war erst zögerlich. Nicht nur, weil die Elbe gar nicht tief ist. Ich war mir auch nicht sicher, wie. Aber dann sagte ich mir, dass jede Taufe, die im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes stattfindet und wo Wasser läuft, gültig ist. Außerdem geht es ja gar nicht um mich, sondern um den Menschen, der sich auf den Weg zur Taufe macht. Es war ein wunderschöner Zufall, dass mein Täufling Philipp hieß. Wie der Philipp in der Apostelgeschichte, der den Kämmerer aus Äthiopien im See taufte. „Was hindert’s, dass ich mich taufen lasse?“ Gute Frage! Wir überlegten dann gemeinsam, wie es überhaupt möglich sei, den ganzen Körper ins relativ flache Wasser zu bekommen. In der Vorbereitung schaute ich mir verschiedene Taufvideos an, wie andere das gemacht haben und war mir dann zumindest relativ sicher, wie es gehen könnte.

Vorher war ich schon aufgeregt. Aber als wir dann wirklich zur Elbe gingen, schickte ich ein letztes Stoßgebet gen Himmel, dass Gott es gut werden ließe und dann war ich einfach da. Ich taufte zuerst die Kinder und eine Erwachsene. Danach gingen der Täufling und ich in die Elbe. Im Moment der Taufe wussten wir beide, was zu tun war. Er vertraute mir, ich vertraute Gott und dann war irgendwie alles klar.

Es war ein unendlicher Augenblick, in dem sich gefühlt Himmel und Erde trafen. Nicht nur wir hatten eine Gänsehaut, erzählten uns hinterher Menschen am Ufer. Viele klatschten. Wir umarmten uns. Eine alte Dame von über 90 Jahren kam auf mich zu und meinte: „Dass ich das noch erleben darf!“ Dem kann ich nur zustimmen.

Ich bin meiner Kirche und dem Orgateam des Tauffestes dankbar, dass das möglich war!

Den Täuflingen wünsche ich alles erdenklich Gute und Gottes reichen Segen!

von Cornelia von Ruthendorf-Przewoski