Genealogische Untersuchung zur „Religion“ der Praktischen Theologie: David Reißmann schließt Promotion ab

Promotionsfeier David Reissmann

David Reißmann hat Theologie in Würzburg, Greifswald, Princeton (USA) und Heidelberg studiert. Nach zweijähriger Tätigkeit am Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung in Greifswald war er in den vergangenen vier Jahren wissenschaftlicher Mitarbeiter am CES in Halle. Im Juli hat er seine Dissertation mit dem Titel Die ‚Religion‘ der Praktischen Theologie. Eine genealogische Untersuchung an der Universität Heidelberg verteidigt und die Promotion mit summa cum laude abgeschlossen. Die Arbeit wurde betreut von Prof. Dr. Michael Bergunder (Religionswissenschaft und Interkulturelle Theologie), begleitet von Prof. Dr. Michael Herbst (Praktische Theologie) und begutachtet von Prof. Dr. Michael Domsgen (Praktische Theologie).

Die Arbeit untersucht aus religionswissenschaftlicher Perspektive, wie „Religion“ im Diskurs der deutschsprachigen Praktischen Theologie als Leitkategorie etabliert wurde und welche Funktion dieser Begriff für das disziplinäre Selbstverständnis des Faches erfüllt. Das diskurstheoretische Instrumentarium (Laclau, Foucault) erlaubt es, die Kopplung von universalem Geltungsanspruch und partikularer protestantischer Referenz als einen Mechanismus sichtbar zu machen, der in der Selbstbeschreibung des Faches regelmäßig unsichtbar bleibt. In einer synchronen Analyse bedeutender Lehrbücher, Handbücher und programmatischer Monographien sowie einer genealogischen Rekonstruktion der Neureferenzierung des Religionsbegriffs seit den 1960er Jahren zeigt die Arbeit, dass die Praktische Theologie hinter semantischer Pluralisierung eine sedimentierte Grundfigur von Religion reproduziert, deren Kontingenz sie zugleich verschleiert. Die Studie versteht sich dabei nicht als Religionskritik, sondern als Beitrag zur Aufklärung der diskursiven Bedingungen, unter denen das Fach über seinen eigenen Gegenstand spricht.

Die Publikation ist in Vorbereitung.

Um- und Abbrüche in Erprobungsräumen: Was festigt in der Krise?

Die Forschungsstelle MKG interviewte Verantwortliche aus vier Initiativen, die in ihrem Verlauf große Um- oder Abbrüche erlebt hatten. Nun liegt der Ergebnisbericht vor.

Seit 2015 gehören Erprobungsräume (EPR) in die vielfältige Landschaft der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Seitdem haben mehr als siebzig Initiativen neue Ausdrucksformen von Kirche erprobt und auf vielfältige Weise Resonanz erlebt: Ihre Idee stieß auf Interesse, Menschen ließen sich ansprechen und neue Kooperationen entstanden. Viele der EPR erlebten aber auch große Herausforderungen: Zentrale Personen verließen das Team, die finanzielle Förderung lief aus oder die Beteiligten gerieten in Konflikt. Fünfzehn der EPR stellten ihre Tätigkeit in den ersten zehn Jahren des Programms u.a. aus solchen Gründen wieder ein.

Vor diesem Hintergrund interviewte die Forschungsstelle MKG Verantwortliche aus vier EPR, die große Um- oder Abbrüche erlebt hatten. In der Untersuchung zeigte sich, dass für die Entwicklung und Krisenfestigkeit der EPR die Qualität ihrer Beziehungen zentral war. Vor allem teamintern, aber auch zu externen Akteur:innen:

  • Als wesentliche Kontinuität erwies sich die geistliche Kern-Gemeinschaft der EPR. Aus dem Zusammenhalt und dem geistlichen Miteinander schöpften Verantwortliche wertvolle Impulse, die Veränderungen aktiv zu gestalten. So wurde es in einigen Fällen möglich, am gemeinsamen Anliegen des Projektes fest zu halten, aber in der konkreten Ausgestaltung flexibel zu sein und das Projekt an sich verändernde Voraussetzungen anzupassen.

  • Die Beziehungen zu entscheidungstragenden externen Akteur:innen, wie Projektträgern oder kirchlichen Regelstrukturen, stellte sich vorwiegend als reibungsvoll dar. Diese Bezüge werden u.a. mit wenig Gestaltungsspielraum, fraglicher Verlässlichkeit und wenig Anteilnahme oder Vertrauen in die Projekte in Verbindung gebracht.

Im Bericht werden in einer abstrahierenden Zusammenführung der Ergebnisse drei Ambivalenzen im Beziehungsgefüge der EPR rekonstruiert, welche die Entwicklung eines Wir-Gefühls erschweren. Zugleich lassen sich Strategien und Maßnahmen ausmachen, mit denen diese Ambivalenzen bearbeitet werden. Durch Erwartungs- und Rollenklarheit, strukturelle und konzeptionelle Transparenz und eine weitreichende Partizipation wirken die Projekt- und Programm-Verantwortlichen darauf hin, dass sich ein gemeinsames „Wir des Erprobens“ formt und stabilisiert, welches sich auch in Krisenzeiten als tragfähig erweist.

Erfolgreicher Start des Kontaktstudiums „Kirche in der Säkularität“

Mit dem Start des Sommersemesters 2026 hat das neue Kontaktstudium „Kirche in der Säkularität – Perspektiven christlichen Empowerments“ begonnen, welches das CES für Pfarrpersonen und weitere interessierte Menschen aus der kirchlichen Praxis anbietet. Fünf Personen haben sich auf den Weg gemacht und sind u. a. aus Westfalen und Thüringen nach Halle gekommen. „So wie es ist, geht es nicht weiter. Wir brauchen neue Perspektiven für die Gemeindearbeit“ – so und ähnlich begründeten die Kontaktstudierenden ihre Entscheidung für das Studiensemester am CES. Wir freuen uns auf den Austausch und das gemeinsame Arbeiten an Fragen eines christlichen Empowerments unter säkularen Bedingungen. Die Verbindung von theoretischen und praktischen Perspektiven verspricht anregende Wechselwirkungen. Neben einem Seminar werden verschiedene Exkursionen zu kirchlich-diakonischen Praxispartnern durchgeführt (bspw. Lutherhaus Jena und die Arbeitsstelle für missionarische Kirchenentwicklung und diakonische Profilbildung in Berlin).

Der nächste Jahrgang ist für das Sommersemester 2027 geplant. Weitere Informationen zum Kontaktstudium finden Sie hier.

Forschung, die wirkt? – European Gathering in Halle

„How can our Research make an Impact on Church Development?“ Unter dieser Frage versammelten sich am 23. – 24. März 2026 ca. 30 Wissenschaftler:innen aus sieben Ländern. Im Rahmen von Workshops, Diskussionen und Kurzvorträgen tauschten sie sich darüber aus, wie das Ineinander akademischer Forschung und kirchlicher Praxis gedacht und gestaltet werden kann. Wer sind die Adressat:innen der Forschung und wie sind sie eingebunden? Hilft Storytelling dabei, Forschungsergebnisse eingängiger zu kommunizieren? Und welches Verständnis Praktischer Theologie liegt solchen Zugängen zu Grunde?

Die Vielfalt der nationalen Hintergründe und Forschungstraditionen sorgte für ein inspirierendes Miteinander und lässt auf ein erneutes Treffen im kommenden Jahr hoffen!

Zum Programm

Abschlussbericht: Evaluation der „Initiative Missionarische Aufbrüche“

Seit 2019 erprobt die sächsische Landeskirche mit der „Initiative Missionarische Aufbrüche“ ergänzende Formen gemeindlicher Arbeit. Während der letzten vier Jahre wurde das Programm durch die Forschungsstelle MKG und das Sozialwissenschaftliche Institut der EKD evaluiert. Nun wurden die Ergebnisse vorgelegt und im Rahmen eines Werkstatt-Tages mit haupt- und ehrenamtlich Engagierten diskutiert.

In den vergangenen zehn Jahren haben insgesamt 14 Landeskirchen kleine Reallabore für die Zukunft der Kirche geschaffen. Die sächsische Variante heißt „Initiative missionarische Aufbrüche“ (IMA). Der Name ist Programm: statt Rückzug in das vertraute kirchliche Terrain geht es um einen Aufbruch ins offene Neuland.

Im Stichwort „missionarisch“ schwingt diese grenzüberschreitende Richtung mit. IMA steht daher für einen Experimentierraum, in dem neue Formen von Kirche und Gemeinde erprobt und erkundet werden sollen. Sie hat wiederum zur Dachmarke für kirchliche Initiativen und Projekte „Kirche, die weiter geht“ geführt.

Foto: Sindy Riebschläger/ Kirche, die weiter geht

Während der letzten vier Jahre wurde IMA durch die Forschungsstelle Missionale Kirchen- und Gemeindeentwicklung (MKG) des Center for Empowerment Studies (CES) an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und das Sozialwissenschaftliche Institut der EKD (SI) wissenschaftlich begleitet. Dazu wurden Daten auf Ebene der Projekte, auf Ebene der Programmsteuerung sowie auf der Mittleren Ebene erhoben und Wirklogiken auf allen drei Ebenen rekonstruiert. 
Auf Projektebene zeichneten sich drei Cluster von Projekten ab. Sie erprobten entweder als „Treffpunkt, Gruppe, Gemeinschaft“ (Cluster 1), durch „Angebot, Erlebnis, Begleitung“ (Cluster 2) oder „Bildung, Beteiligung, Kohäsion“ (Cluster 3), wie Kirche von morgen aussehen könnte. Auf der Mittleren Ebene wurde die zentrale Bedeutung der Superintendent:innen deutlich, die zwischen den Handlungsebenen aber auch zwischen den verschiedenen Ausdrucksformen und Bildern von Kirche innerhalb des Kirchenbezirks vermittelten. Auf Ebene der Programmsteuerung zeichnete sich ab, wie die anfängliche Projektlogik zur Prozesslogik wurde. Zudem ließ sich nachzeichnen, wie der Begriff der „Mission“ durch die IMA neu gesetzt und als kontextuelle Praxis sehr unterschiedlich gefüllt wurde und sich die Möglichkeitsräume von Kirche erweiterten.

Foto: Sindy Riebschläger/ Kirche, die weiter geht

Am 28.02.2026 wurden die Ergebnisse im Rahmen eines Werkstatt-Tages haupt- und ehrenamtlich Engagierten der EVLKS vorgestellt, diskutiert und dazu auch die Perspektiven der drei Ebenen miteinander ins Gespräch gebracht. Besondere Schwerpunkte stellten dabei die Einbettung von IMA in den Kontext anderer landeskirchlicher Innovationsprogramme, das kybernetische Ineinander von „Top-Down“ und „Bottom-Up“ sowie die Entwicklungen von Ämtern und Rollen dar. Ein besonderes Augenmerk galt zudem den Spuren, die die Erfahrungen mit IMA im Bericht „Kirche im Wandel“ hinterlassen haben.

Foto: Sindy Riebschläger/ Kirche, die weiter geht

Die Diskussion warf Fragen auf: Wo können kirchliche Strukturen auch zukünftig Räume der „Unbestimmtheit“ und der „brauchbaren Illegalität“ eröffnen? Wo werden die ermutigenden Geschichten des Aufbruchs erzählt? Und wie kann es zu einem Perspektivwechsel weg von knappen Finanzen hin zur Fülle der vielfältig Engagierten kommen? So verließen die Teilnehmenden den Werkstatt-Tag mit Fragen im Gepäck – aber auch dankbar und ermutigt: „In unserer Kirche gibt es Freiräume für Neues und damit dürfen wir weiter gehen… als Christenmenschen unterwegs in Kirche und Gesellschaft.“

Foto: Sindy Riebschläger/ Kirche, die weiter geht

Kontaktstudium »Kirche in der Säkularität – Perspektiven christlichen Empowerments« ab Sommersemester 2026 in Halle/Saale

Für Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Gemeindepädagoginnen und Gemeindepädagogen bieten wir ab 2026 ein fokussiertes Kontaktstudium an der Theologischen Fakultät in Halle an. Es findet jeweils im Sommersemester statt.

Wie können Gemeinden und kirchliche Einrichtungen mit den rapiden Veränderungen umgehen, die eine zunehmende Säkularität der Gesellschaft und Schrumpfungsprozesse in den Kirchen mit sich bringen? Wie können die aufrichtenden, ermutigenden, kraftspendenden und machtkritischen Dimensionen des Evangeliums neu relevant werden?

Wir laden Sie ein, mit uns am „Center for Empowerment Studies – Forschungszentrum Christliches Empowerment in der Säkularität“ gemeinsam darüber nachzudenken. Theorien, Praxisbeispiele und der Austausch mit Lehrenden und Studierenden ermöglichen ein vertieftes Verständnis und neue Impulse für den Arbeitsalltag.

Halle/Saale steht für das Zusammenspiel von Säkularität und religiöser Pluralität, für kirchliche Innovation und für theologische Traditionen.

Studienreise in die Niederlande im September 2025 –Kirchenentwicklung und Vielfalt neu erleben

Studienreise Niederlande

Unsere Studienreise in die Niederlande stand unter dem Leitgedanken, wie kirchliches Leben in einer vielfältigen Gesellschaft gestaltet werden kann. Im Fokus standen regionale Kirchenentwicklung, Pionierprojekte und der Umgang mit Diversität. Inspirierende Gemeinden und innovative Projekte eröffneten neue Perspektiven für die Gemeindearbeit.

Besonders beeindruckend war die kreative und selbstverständliche Arbeit der Pionierinnen und Pioniere. In meinem Bericht möchte ich zentrale Erkenntnisse und Fragen teilen, wie Vielfalt als Gewinn in unseren Gemeinden gestaltet werden kann. Bereits zu Beginn wurde deutlich, dass unsere Gruppe sowohl aus verschiedenen Professionen als auch Studiengängen besteht und genauso vielfältig waren auch die Fragen zu Organisation, Erreichbarkeit, Ansprechbarkeit und Übertragbarkeit der Projekte auf den eigenen Kontext.

Unser erstes Treffen führte uns zu „City to City Amsterdam“, wo wir uns mit urbaner Gemeindegründung beschäftigten. Dabei traten die Herausforderungen zutage, spirituelle und seelische Themen in der heutigen Gesellschaft anzusprechen. Anschließend bei der „Gist“ Community nahmen wir an einer Brotmeditation teil und sprachen über das Projekt, das traditionelle Handwerkserfahrung wie das Brotbacken als Zugang zum Glauben bietet. Besonders bereichernd war die Offenheit der Community bezüglich der Interpretation ihrer Angebote, die auch eine nicht-religiöse Deutung willkommen heißt.

Am Mittwoch besuchten wir die Protestantse Kerk in Nederland (PKN) und vertieften uns in deren Mission und Projektarbeit. Ein Workshop zu „Frame Innovation“ zeigte, wie Pioniere in ihren Projekten begleitet werden.

Am Donnerstag tauschten wir uns an der Theologischen Fakultät Utrecht über die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und die Ausbildung protestantischer Pfarrer*innen aus. Besonders die „Messy Church“ und neue Wege ins Pfarramt wurden thematisiert.

Freitag stand im Zeichen monastischer Gemeinschaften. Im Kleiklooster beeindruckte uns die Verbindung von Diakonie und gemeinsamem geistlichen Leben. Bei „Taste“ erlebten wir gelebte Nachbarschaft beim Abendessen.

Am Samstag besuchten wir einen Amsterdamer Stadtteil ohne Kirche, in dem eine Pionierin durch Gespräche im Café eine neue Gemeinde gründete. Auch über Fusionsprozesse und deren Bedeutung für das Miteinander wurde diskutiert.

Der letzte Tag bot die Möglichkeit, Gottesdienste frei zu besuchen. Die Erfahrung zeigte mir, dass Liturgie auch über Sprachgrenzen hinweg verbindet. Beim internationalen Gottesdienst in Gouda lernten wir außerdem, dass nicht alle Pionierprojekte an die Protestantse Kerk Nederland (PKN) gebunden sind.

Die Auswertung ergab, dass viele Projekte in Deutschland ähnlich funktionieren, jedoch eine stärkere Unterstützung der Pioniere durch die Landeskirchen nötig wäre. Verwaltung und Struktur bleiben für kleine Gemeinden herausfordernd.

Vom CES zu midi – Abschied von Dr. Thomas Schlegel

Zum 1. Juni 2025 haben wir Dr. Thomas Schlegel verabschiedet, der fortan als Direktor der Evangelischen Arbeitsstelle für missionarische Kirchenentwicklung und diakonische Profilbildung (midi) in Berlin tätig sein wird.
Neben seiner Arbeit als Kirchenrat in der EKM war er seit Februar 2023 auch als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Forschungsstelle für Missionale Kirchen- und Gemeindeentwicklung tätig und dort u. a. für die wissenschaftliche Begleitung der ›Initiative Missionarische Aufbrüche‹ der Sächsischen Landeskirche zuständig. Wir bedanken uns herzlich bei Dr. Thomas Schlegel für seine engagierte und kompetente Mitarbeit sowie seine kollegiale und kreative Art. Wir wünschen ihm alles Gute für seine neue Aufgabe.

Fachtag Regiolokale Kirchenentwicklung & Gemeindliche Vielfalt

Auf diesem Fachtag am 26. September 2025 tauschen sich akademisch und kirchlich engagierte Menschen zum Thema regiolokale Kirchenentwicklung aus. Einen thematischen Schwerpunkt bildet die Frage nach neuen pastoralen Rollen angesichts eines befähigten und bevollmächtigten Ehrenamtes. Dazu wird es Impulse aus der mitteldeutschen, der sächsischen sowie der anglikanischen Kirche geben. Zudem werden einzelne Perspektiven im Rahmen von Workshops vertieft bearbeitet.

Anmeldung bei Frau Hanna Löffler: mkg@theologie.uni-halle.de

  • Programm

9:00 Ankommen und Anmelden

9:30 Eröffnung und Begrüßung

10:00-10:40 Vortrag: Was regiolokale Kirchenentwicklung ist und wie sie praktisch funktionieren kann (Hans-Hermann Pompe und Dr. Katharina Freudenberg)

10:40-11:00 Response und Reflexion (Prof. Dr. Michael Domsgen)

11:00 -11:15 Pause

11:15-11:45 Vortrag: Pastorale Rollen im Wandel – ein Blick in die Initiative „Missionarische Aufbrüche“ in der EVLKS (Tabea Fischer)

11:45-12:05 Response und Reflexion (Hendrik Mattenklodt)

12:05-12:45 Plenumsgespräch

12:45-14:00 Mittagessen

14:00-14:30 Vortrag: Church Multiplication and new pastoral roles in the Church of England (Andy Buckler, UK)

14:30-14:50 Response und Reflexion (Dr. Hanna Kauhaus)

14:45-15:15 Kaffe & Kuchen

15:15-16:30 Workshops

  • Gemeinde ohne Hauptamt – mit Pfarrer Bernhard Schröder (IMK/ELKB) und Gemeindepädagoge Veit Völkner (EKBO)
  • Empowerment in der Pfarramtsausbildung – mit Pfarrer Stefan Günther (Predigerseminar der EVLKS)
  • Regiolokal und ökumenisch: CONNECTION. Eine Initiative des Ökumenischen Netzwerks Kirchenentwicklung – mit Pfarrer Thomas Steinke (EVLKA) und Gemeindeferentin Anja Breer (Bistum Osnabrück)

16:30-16:45 Pause

16:45-17:15 Schlussdiskussion im Plenum und Abschluss

In-House-Course: »Theory of Change« in Kirchenentwicklungsprozessen

Kirche soll anders werden. Neu. Besser. 
Aber was genau meinen wir damit eigentlich? Wie geht die Veränderung unserer Meinung nach vor sich? Und wie finden wir heraus, ob wir damit richtig liegen?
 
Die »Theory of Change« bietet einen vielversprechenden Zugang zu diesen Fragen. Das CES beschäftigte sich am 5. März in einer internen Weiterbildung mit diesem Werkzeug. Als Referent war Jais Poulsen vom Folkekirkens Uddannelses- og Videnscenter der evangelisch-lutherischen Kirche in Dänemark dabei, der seine Erfahrung als Evaluierungs- und Entwicklungsberater einbrachte.
 
»Theory of Change«
Mit einer „Theory of Change werden die häufig unbewussten Annahmen, die unserem kirchlichen Handeln zu Grunde liegen, ans Licht gebracht und greifbar gemacht. Sie trägt damit nicht nur zur kommunikativen und strategischen Klarheit kirchlichen Handelns bei, sondern birgt auch Potential für die sozialwissenschaftliche Theoriebildung, kann sowohl zur Grundlage von Evaluation als auch zum Gegenstand theologischer Reflexion werden.
 
Da »Theories of Change« also einen möglichen gemeinsamen Bezugspunkt für Wissenschaft und Praxis darstellen, brachte der Fortbildungstag Vertreter aus theologischer Forschung und kirchlicher Praxis zusammen: 12 Personen aus dem Kontext der EKM-Erprobungsräume und des CES nahmen teil, um sich gemeinsam mit dem Zugang zu befassen und seine Potentiale auszuloten. Dabei profitierten sie von den vielen Erfahrungen, aus denen der Referent Jais Poulsen in der Prozessbegleitung mit dem Tool bereits schöpfen konnte. Als Evaluierungs- und Entwicklungsberater am Folkekirkens Uddannelses- og Videnscenter (FUV, etwa: Ausbildungs- und Forschungszentrum der Volkskirche) der evangelisch-lutherischen Kirche in Dänemark brachte er sowohl einen guten Einblick in die kirchenentwicklerischen Themen seiner Landeskirche als auch Erfahrungen in der Programmevaluation mit Theories of Change mit.
 
Begegnung mit der dänischen Landeskirche
Im Anschluss an die thematische Einführung zur »Theory of Change« wurde die Gelegenheit genutzt, die Situation der dänischen Landeskirche besser kennen zu lernen. Dazu stellte Jais Poulsen die Ergebnisse einer umfassenden Studie zur Kirchenmitgliedschaft in Dänemark vor, in welcher sich fünf Zugehörigkeitstypen als zentral erwiesen. Im Austausch über die Ergebnisse, beim gemütlichen Tagesausklang im Restaurant und während der gegenseitigen Projektvorstellungen am Folgetag wurde deutlich, wie viele Fragen, Themen und Baustellen die beiden Landeskirchen teilen. Sie reichen von Mitgliederbindung, Ehrenamt und Freiwilligkeit, Nachwuchsmangel und neuen Zugänge ins Pfarramt, über Inklusivität und Migration, bis hin zu Kirchgebäude(um)nutzungen und ländlichen Räumen.
Schwerpunkte des Gesprächs stellten dabei die offene Frage nach der „Volkskirchlichkeit“ (bzw. nach einer Neuinterpretation dieses Begriffs) sowie einer fruchtbaren Verflechtung zwischen Forschung und kirchlicher Praxis dar.
 
Die zwei Tage stellen also in zweierlei Hinsicht einen Doppelpunkt dar: Sowohl die Auseinandersetzung mit der Theory of Change als auch der Austausch mit der dänischen Landeskirche haben gerade erst begonnen.
Wir freuen uns auf die Fortsetzung!

                Diskussion wärhend der In-House-Fortbildung.