Abschlussbericht: Evaluation der „Initiative Missionarische Aufbrüche“

Seit 2019 erprobt die sächsische Landeskirche mit der „Initiative Missionarische Aufbrüche“ ergänzende Formen gemeindlicher Arbeit. Während der letzten vier Jahre wurde das Programm durch die Forschungsstelle MKG und das Sozialwissenschaftliche Institut der EKD evaluiert. Nun wurden die Ergebnisse vorgelegt und im Rahmen eines Werkstatt-Tages mit haupt- und ehrenamtlich Engagierten diskutiert.

In den vergangenen zehn Jahren haben insgesamt 14 Landeskirchen kleine Reallabore für die Zukunft der Kirche geschaffen. Die sächsische Variante heißt „Initiative missionarische Aufbrüche“ (IMA). Der Name ist Programm: statt Rückzug in das vertraute kirchliche Terrain geht es um einen Aufbruch ins offene Neuland.

Im Stichwort „missionarisch“ schwingt diese grenzüberschreitende Richtung mit. IMA steht daher für einen Experimentierraum, in dem neue Formen von Kirche und Gemeinde erprobt und erkundet werden sollen. Sie hat wiederum zur Dachmarke für kirchliche Initiativen und Projekte „Kirche, die weiter geht“ geführt.

Foto: Sindy Riebschläger/ Kirche, die weiter geht

Während der letzten vier Jahre wurde IMA durch die Forschungsstelle Missionale Kirchen- und Gemeindeentwicklung (MKG) des Center for Empowerment Studies (CES) an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und das Sozialwissenschaftliche Institut der EKD (SI) wissenschaftlich begleitet. Dazu wurden Daten auf Ebene der Projekte, auf Ebene der Programmsteuerung sowie auf der Mittleren Ebene erhoben und Wirklogiken auf allen drei Ebenen rekonstruiert. 
Auf Projektebene zeichneten sich drei Cluster von Projekten ab. Sie erprobten entweder als „Treffpunkt, Gruppe, Gemeinschaft“ (Cluster 1), durch „Angebot, Erlebnis, Begleitung“ (Cluster 2) oder „Bildung, Beteiligung, Kohäsion“ (Cluster 3), wie Kirche von morgen aussehen könnte. Auf der Mittleren Ebene wurde die zentrale Bedeutung der Superintendent:innen deutlich, die zwischen den Handlungsebenen aber auch zwischen den verschiedenen Ausdrucksformen und Bildern von Kirche innerhalb des Kirchenbezirks vermittelten. Auf Ebene der Programmsteuerung zeichnete sich ab, wie die anfängliche Projektlogik zur Prozesslogik wurde. Zudem ließ sich nachzeichnen, wie der Begriff der „Mission“ durch die IMA neu gesetzt und als kontextuelle Praxis sehr unterschiedlich gefüllt wurde und sich die Möglichkeitsräume von Kirche erweiterten.

Foto: Sindy Riebschläger/ Kirche, die weiter geht

Am 28.02.2026 wurden die Ergebnisse im Rahmen eines Werkstatt-Tages haupt- und ehrenamtlich Engagierten der EVLKS vorgestellt, diskutiert und dazu auch die Perspektiven der drei Ebenen miteinander ins Gespräch gebracht. Besondere Schwerpunkte stellten dabei die Einbettung von IMA in den Kontext anderer landeskirchlicher Innovationsprogramme, das kybernetische Ineinander von „Top-Down“ und „Bottom-Up“ sowie die Entwicklungen von Ämtern und Rollen dar. Ein besonderes Augenmerk galt zudem den Spuren, die die Erfahrungen mit IMA im Bericht „Kirche im Wandel“ hinterlassen haben.

Foto: Sindy Riebschläger/ Kirche, die weiter geht

Die Diskussion warf Fragen auf: Wo können kirchliche Strukturen auch zukünftig Räume der „Unbestimmtheit“ und der „brauchbaren Illegalität“ eröffnen? Wo werden die ermutigenden Geschichten des Aufbruchs erzählt? Und wie kann es zu einem Perspektivwechsel weg von knappen Finanzen hin zur Fülle der vielfältig Engagierten kommen? So verließen die Teilnehmenden den Werkstatt-Tag mit Fragen im Gepäck – aber auch dankbar und ermutigt: „In unserer Kirche gibt es Freiräume für Neues und damit dürfen wir weiter gehen… als Christenmenschen unterwegs in Kirche und Gesellschaft.“

Foto: Sindy Riebschläger/ Kirche, die weiter geht

Poetry-Slam und Predigt – Glückwunsch zum Abschluss der Promotion

Wir gratulieren Tim Dornblüth. Im Dezember hat er sein Promotionsprojekt „Poetry Slam und Kommunikation des Evangeliums“ mit der Verteidigung seiner Dissertation erfolgreich abgeschlossen.
„Klatschen und Lachen verboten.“ Das scheint unausgesprochen nicht selten hinter kirchlichen Verkündigungsvollzügen zu stehen. Zugleich ist mittlerweile mit Poetry Slam eine Form mündlich vorgetragener Literatur entstanden, die insbesondere bei jungen Menschen beliebt ist und der es genau darauf ankommt: Interaktion mit dem Publikum, z.B. durch Klatschen, Lachen, Zwischenrufe, knisternde gespannte Stille, und auch durch abschließende Publikumsbewertung des vorgetragenen Kurztextes. In meinem Dissertationsprojekt hat Tim das Potential untersucht, das von dieser Kunstform für kirchliche und religionspädagogische Vollzüge ausgeht: Poetry Slam verändert den Blick auf Predigt — und umgekehrt. Von Poetry Slam lernen, … liegt für das Empowerment der Hörenden? Welche Möglichkeiten des Self-Empowerment bietet Poetry Slam für die Auftretenden? Und was lässt sich daraus für die Ziele und Methoden von Predigt, Religionsunterricht und Gemeindepädagogik lernen?

Kontaktstudium »Kirche in der Säkularität – Perspektiven christlichen Empowerments« ab Sommersemester 2026 in Halle/Saale

Für Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Gemeindepädagoginnen und Gemeindepädagogen bieten wir ab 2026 ein fokussiertes Kontaktstudium an der Theologischen Fakultät in Halle an. Es findet jeweils im Sommersemester statt.

Wie können Gemeinden und kirchliche Einrichtungen mit den rapiden Veränderungen umgehen, die eine zunehmende Säkularität der Gesellschaft und Schrumpfungsprozesse in den Kirchen mit sich bringen? Wie können die aufrichtenden, ermutigenden, kraftspendenden und machtkritischen Dimensionen des Evangeliums neu relevant werden?

Wir laden Sie ein, mit uns am „Center for Empowerment Studies – Forschungszentrum Christliches Empowerment in der Säkularität“ gemeinsam darüber nachzudenken. Theorien, Praxisbeispiele und der Austausch mit Lehrenden und Studierenden ermöglichen ein vertieftes Verständnis und neue Impulse für den Arbeitsalltag.

Halle/Saale steht für das Zusammenspiel von Säkularität und religiöser Pluralität, für kirchliche Innovation und für theologische Traditionen.

Studienreise in die Niederlande im September 2025 –Kirchenentwicklung und Vielfalt neu erleben

Studienreise Niederlande

Unsere Studienreise in die Niederlande stand unter dem Leitgedanken, wie kirchliches Leben in einer vielfältigen Gesellschaft gestaltet werden kann. Im Fokus standen regionale Kirchenentwicklung, Pionierprojekte und der Umgang mit Diversität. Inspirierende Gemeinden und innovative Projekte eröffneten neue Perspektiven für die Gemeindearbeit.

Besonders beeindruckend war die kreative und selbstverständliche Arbeit der Pionierinnen und Pioniere. In meinem Bericht möchte ich zentrale Erkenntnisse und Fragen teilen, wie Vielfalt als Gewinn in unseren Gemeinden gestaltet werden kann. Bereits zu Beginn wurde deutlich, dass unsere Gruppe sowohl aus verschiedenen Professionen als auch Studiengängen besteht und genauso vielfältig waren auch die Fragen zu Organisation, Erreichbarkeit, Ansprechbarkeit und Übertragbarkeit der Projekte auf den eigenen Kontext.

Unser erstes Treffen führte uns zu „City to City Amsterdam“, wo wir uns mit urbaner Gemeindegründung beschäftigten. Dabei traten die Herausforderungen zutage, spirituelle und seelische Themen in der heutigen Gesellschaft anzusprechen. Anschließend bei der „Gist“ Community nahmen wir an einer Brotmeditation teil und sprachen über das Projekt, das traditionelle Handwerkserfahrung wie das Brotbacken als Zugang zum Glauben bietet. Besonders bereichernd war die Offenheit der Community bezüglich der Interpretation ihrer Angebote, die auch eine nicht-religiöse Deutung willkommen heißt.

Am Mittwoch besuchten wir die Protestantse Kerk in Nederland (PKN) und vertieften uns in deren Mission und Projektarbeit. Ein Workshop zu „Frame Innovation“ zeigte, wie Pioniere in ihren Projekten begleitet werden.

Am Donnerstag tauschten wir uns an der Theologischen Fakultät Utrecht über die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und die Ausbildung protestantischer Pfarrer*innen aus. Besonders die „Messy Church“ und neue Wege ins Pfarramt wurden thematisiert.

Freitag stand im Zeichen monastischer Gemeinschaften. Im Kleiklooster beeindruckte uns die Verbindung von Diakonie und gemeinsamem geistlichen Leben. Bei „Taste“ erlebten wir gelebte Nachbarschaft beim Abendessen.

Am Samstag besuchten wir einen Amsterdamer Stadtteil ohne Kirche, in dem eine Pionierin durch Gespräche im Café eine neue Gemeinde gründete. Auch über Fusionsprozesse und deren Bedeutung für das Miteinander wurde diskutiert.

Der letzte Tag bot die Möglichkeit, Gottesdienste frei zu besuchen. Die Erfahrung zeigte mir, dass Liturgie auch über Sprachgrenzen hinweg verbindet. Beim internationalen Gottesdienst in Gouda lernten wir außerdem, dass nicht alle Pionierprojekte an die Protestantse Kerk Nederland (PKN) gebunden sind.

Die Auswertung ergab, dass viele Projekte in Deutschland ähnlich funktionieren, jedoch eine stärkere Unterstützung der Pioniere durch die Landeskirchen nötig wäre. Verwaltung und Struktur bleiben für kleine Gemeinden herausfordernd.

Annual Meeting of the International Consultation on Ecclesial Futures (ICEF) in Wellington/Südafrika zum Thema „Ecclesial Hospitality“

Vom 23. bis 27. Juni 2025 hat das jährliche Treffen des Netzwerkes International Consultation on Ecclesial Futures in Wellington/Südafrika stattgefunden. Es haben sich 15 Mitglieder aus Südafrika, den USA, Norwegen, Australien, Deutschland, Dänemark und England über das Thema „Ecclesial Hospitality“ ausgetauscht. Im Fokus standen thematische Aspekte wie Flucht, Migration und Integration, Eucharistie und Gastfreundschaft, digitale Gastfreundschaft sowie Gottes Mission und Gastfreundschaft. Angereichert wurden die Überlegungen durch die Perspektiven verschiedener Gäste aus Südafrika, die punktuell an der Tagung teilgenommen haben.

Hinsichtlich einer an Empowerment orientierten Praktischen Theologie war der Vortrag „Radical Ecclesial Hospitality as Justice: A Womanist Theological Praxis“ von Dr. Fundiswa Kobo, Professorin für Christian Spirituality, Church History and Missiology an der University of South Africa (Pretoria) spannend. Sie hat unter anderem von der gelebten Theologie sog. ‚kitchen girls‘ berichtet und beschrieben wie zahlreiche Generationen von Black people an den Küchentischen ihrer Großmütter und Mütter eine tiefe theologisch-geistliche Prägung erhalten haben. Diese Prägung wurde u. a. als Empowerment für den Kampf um Gerechtigkeit und Teilhabe und gegen Rassismus und Ausgrenzung beschrieben.

Vom Center for Empowerment Studies der Universität Halle-Wittenberg haben Dr. Hanna Kauhaus und Dr. Felix Eiffler an der Tagung teilgenommen. Dr. Eiffler hat einen Vortrag zum Thema „Is the ecumenical rite of passage for the coming of age ‚Feier der Lebenswende‘ in East Germany a variant of Ecclesial Hospitality?“ gehalten. Darin hat er die Hallesche Feier der Lebenswende dreifach perspektiviert: a) mit der Figur der Kommunikation des Evangeliums, b) mit den Five Marks of Mission der Anglikanischen Gemeinschaft und c) mit der Beschreibung von Hospitality als „A Place at the Table“ (Miranda Harris/Jo Swinney) als Teilen von Leben in all seinen Höhen und Tiefen.

Vom CES zu midi – Abschied von Dr. Thomas Schlegel

Zum 1. Juni 2025 haben wir Dr. Thomas Schlegel verabschiedet, der fortan als Direktor der Evangelischen Arbeitsstelle für missionarische Kirchenentwicklung und diakonische Profilbildung (midi) in Berlin tätig sein wird.
Neben seiner Arbeit als Kirchenrat in der EKM war er seit Februar 2023 auch als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Forschungsstelle für Missionale Kirchen- und Gemeindeentwicklung tätig und dort u. a. für die wissenschaftliche Begleitung der ›Initiative Missionarische Aufbrüche‹ der Sächsischen Landeskirche zuständig. Wir bedanken uns herzlich bei Dr. Thomas Schlegel für seine engagierte und kompetente Mitarbeit sowie seine kollegiale und kreative Art. Wir wünschen ihm alles Gute für seine neue Aufgabe.

Abschied von Dr. Georg Bucher

Nach vielen Jahren intensiven Engagements und großartiger Mitarbeit am Lehrstuhl für Religionspädagogik, an der Forschungsstelle für Religiöse Kommunikations- und Lernprozesse sowie am Center for Empowerment Studies verabschieden wir Dr. Georg Bucher. Georg Bucher wird künftig als Juniorprofessor für Evangelische Religionspädagogik an der Universität Bielefeld tätig sein. Wir danken ihm herzlich für seine vielfältige Arbeit, seine fachliche Leidenschaft und seine gewinnende Menschlichkeit. Wir wünschen ihm Gottes Segen und gutes Gelingen für seine neue Aufgabe.

Vom CES zu ImmEr: Abschied von Floreal Keller

Seit Oktober 2023 forschte Floreal Keller an der Forschungsstelle Religiöse Kommunikations- und Lernprozesse (RKL) am CES. In seinem Forschungsprojekt widmete er sich dem Thema Islam im Ethik- und Religionsunterricht in Sachsen-Anhalt und befragte dazu in einer Interviewstudie Lehrkräfte. 

Nun wartet eine neue Aufgabe auf Ihn: 

Floreal Keller arbeitet seit dem 01.06.2025 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Verbundprojekt Integration durch Bildung von immigrierten und geflüchteten Jugendlichen in den Hilfen zur Erziehung (ImmEr) an der Allgemeinen Erziehungswissenschaften der TU Chemnitz.

Das Team des CES dankt Floreal Keller für die gemeinsame Zeit und wünscht Ihm für seine Zukunft alles Gute!

Fachtag Regiolokale Kirchenentwicklung & Gemeindliche Vielfalt

Auf diesem Fachtag am 26. September 2025 tauschen sich akademisch und kirchlich engagierte Menschen zum Thema regiolokale Kirchenentwicklung aus. Einen thematischen Schwerpunkt bildet die Frage nach neuen pastoralen Rollen angesichts eines befähigten und bevollmächtigten Ehrenamtes. Dazu wird es Impulse aus der mitteldeutschen, der sächsischen sowie der anglikanischen Kirche geben. Zudem werden einzelne Perspektiven im Rahmen von Workshops vertieft bearbeitet.

Anmeldung bei Frau Hanna Löffler: mkg@theologie.uni-halle.de

  • Programm

9:00 Ankommen und Anmelden

9:30 Eröffnung und Begrüßung

10:00-10:40 Vortrag: Was regiolokale Kirchenentwicklung ist und wie sie praktisch funktionieren kann (Hans-Hermann Pompe und Dr. Katharina Freudenberg)

10:40-11:00 Response und Reflexion (Prof. Dr. Michael Domsgen)

11:00 -11:15 Pause

11:15-11:45 Vortrag: Pastorale Rollen im Wandel – ein Blick in die Initiative „Missionarische Aufbrüche“ in der EVLKS (Tabea Fischer)

11:45-12:05 Response und Reflexion (Hendrik Mattenklodt)

12:05-12:45 Plenumsgespräch

12:45-14:00 Mittagessen

14:00-14:30 Vortrag: Church Multiplication and new pastoral roles in the Church of England (Andy Buckler, UK)

14:30-14:50 Response und Reflexion (Dr. Hanna Kauhaus)

14:45-15:15 Kaffe & Kuchen

15:15-16:30 Workshops

  • Gemeinde ohne Hauptamt – mit Pfarrer Bernhard Schröder (IMK/ELKB) und Gemeindepädagoge Veit Völkner (EKBO)
  • Empowerment in der Pfarramtsausbildung – mit Pfarrer Stefan Günther (Predigerseminar der EVLKS)
  • Regiolokal und ökumenisch: CONNECTION. Eine Initiative des Ökumenischen Netzwerks Kirchenentwicklung – mit Pfarrer Thomas Steinke (EVLKA) und Gemeindeferentin Anja Breer (Bistum Osnabrück)

16:30-16:45 Pause

16:45-17:15 Schlussdiskussion im Plenum und Abschluss