Jahrestagung der International Consultation on Ecclesial Futures in Halle

ICEF Tagung in Halle am CES / MKG

Vom 10. bis 14. Juni 2024 fand in Kooperation mit dem CES die jährliche Konsultation der ICEF (International Consultation on Ecclesial Futures) in Halle statt. Ziel der Jahresreffen ist es, Forschungsergebnisse auszutauschen, ein kritisches Gespräch zu fördern und Anregungen für eine missionale, nachhaltige und kontextsensible Kirchenentwicklung zu erarbeiten und diskutieren. Leitende Fragen der ICEF sind: Was sind die spezifischen Bedingungen unseres je eigenen Kontextes? Wie äußert sich die Mission Gottes in unserem Umfeld? Wo entdecken wir Spuren des Wirkens des Heiligen Geistes und wie entwickelt sich kirchliches Leben in unseren Kontexten? Welche theologischen Fragen ergeben sich daraus und müssen eingehender reflektiert werden? Was können wir von einander lernen? Was lässt sich empirisch erheben und wie ist es theologisch zu deuten?

Dieses Jahr stand das Treffen unter der Überschrift »Christian Empowerment, Secularity and Church Development«. Mit Forscher/innen und Praktiker/innen von vier Kontinenten haben wir intensiv über die Wirklichkeit von Säkularität, die Herausforderungen für Gemeindeentwicklung sowie die Chancen eines christlichen Empowerments nachgedacht. Dabei gab es auch einen intensiven Austausch mit haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden aus der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens sowie einer Halleschen Freikirche (Evangeliumsgemeinde). 

Am 12. Juni 24 hat die Consultation zu einem Public Day in die Theologische Fakultät der MLU eingeladen und dort die mit dem Themenkomplex verbunden Fragen mit einer größeren akademisch-kirchlichen Öffentlichkeit diskutiert. (MKG)

CES-Talk mit Prof. Dr. Tobias Faix

CES-Talk mit Tobias Faix

Wie lassen sich theologische Studiengänge im Hinblick auf die Transformationsherausforderungen in Kirche und Gesellschaft neu denken? Welche Rolle spielt dabei eine transdisziplinäre Ausrichtung? Wie kann ein Empowerment von Erhenamtlichen konkret aussehen? Im Rahmen der CES-Talk-Reihe, bei der das CES-Team online mit Menschen aus dem wissenschaftlichen Beirat zusammenkommt, um aktuelle Herausforderungen und  Forschungsprojekte zu diskutieren, standen am 03. Juni 2024 diese und weitere spannende Fragen im Mittelpunkt. Zu Gast war diesmal Prof. Dr. Tobias Faix von der CVJM-Hochschule Kassel. Der nächste CES-Talk findet am 10. Juni 2024 statt, dann mit Landesbischof Dr. Christoph Meyns.

Rückblick: Tagung „Bewertung als Belastung“ (AG Kasuistik) in Kooperation von ZSB und RKL

Foto AG Kasuistik Homepage

Am 4. Und 5. April 2024 fand in Halle die 16. Arbeitstagung der AG Kasuistik in der Lehrer:innenbildung statt. Die von Georg Bucher (CES/RKL) und Hannes König (ZSB) organisierte, interdisziplinäre Tagung widmete sich dem Thema der schulischen Leistungsbewertung und -selektion, sowohl aus einer erziehungswissenschaftlichen als auch aus einer fachdidaktischen – im Speziellen: religionsdidaktischen – Perspektive. Lena Franke (CES/RKL) und Georg Bucher waren mit Workshops zu ihren Forschungsprojekten vertreten. Den ausführlichen Tagungsbericht finden Sie hier auf der Seite der AG Kasuistik.

Kirche in der Säkularität: Vortrag bei der Bischofskonferenz der VELKD

Wie kann Kirche neu gedacht und neu gestaltet werden, wenn sie konsequent als Kirche in einer säkularen Gesellschaft verstanden wird? Wie können internationale und ökumenische Perspektiven dafür hilfreich sein? Zu diesen Fragen referierte Dr. Hanna Kauhaus von der Forschungsstelle Kirchen- und Gemeindetheorie KÖW am 17. März bei der Klausurtagung der Bischofskonferenz der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und stellte die Projekte der Forschungsstelle vor. Die Bischöfe, darunter auch Gäste aus ost- und nordeuropäischen Ländern, tauschten sich zur inneren Gestaltung von Kirche und zu deren politisch-gesellschaftlichen Rolle aus. Weitere Eindrücke finden Sie hier.

Das Bild zeigt Hanna Kauhaus, wie sie ihren Vortrag zu "Kirche in der Säkularität" bei der Bischofskonferenz der VELKD hält. Sie steht links von der von ihr präsentierten Powerpoint-Präsentation.

Familien gefragt: Kirche sollte alltagstauglich sein

Was wünschen sich Menschen von Kirche? Diese allgemeine Frage spitzt sich zu, sobald man eine bestimmte Zielgruppe in den Blick nimmt. Fragt man Familien, was sie sich wünschen, dann wird – bei aller Unterschiedlichkeit der einzelnen Familien – deutlich, dass Kirche für sie dann interessant wird, wenn sie in alltagstauglichen und lebensdienlichen Formen daherkommt. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Angebote von den Bedürfnissen der Familie und nicht von den Erfordernissen der Kirchengemeinde her gedacht werden sollten. Wie kann das konkret aussehen? Mit den VikarInnen der Mitteldeutschen Kirche sind wir bei einer Begegnung im Kloster Drübeck diesen Fragen nachgegangen.

Die 13 Frauen und Männer stehen am Anfang ihrer „kirchlichen Laufbahn“ und sind gerade dabei, ihre Vikariatsgemeinden kennenzulernen. Dabei fällt ihnen frappierend ins Auge, dass Familien als konkrete Zielgruppe selten im Blick sind. Ja, es gibt vereinzelte Familiengottesdienste, aber wenig planvolles Bedenken dieser Zielgruppe. Zugleich wird in der Vorstellungsrunde deutlich, dass der Großteil des Vikarskurses sich gerade selbst in der Familienphase mit kleinen Kindern befindet. Sie sind also selbst „ExpertInnen“ zum Thema Familie. Aber auch für diejenigen, die es biographisch gerade nicht selbst betrifft, ist einleuchtend, wie zentral das Thema Familie im Blick auf die Zukunft von Kirche ist – stellt die Familie doch den zentralen Ort für religiöse Sozialisation dar. Wie also kann Kirche so agieren, dass Familien sich ernstgenommen und wohl fühlen?

Aktuelle Studien wie die Württemberger Studie „Familien gefragt“ nennen Faktoren wie Ort und Zeit, die auf die Lebensrhythmen der Familien abgestimmt sein müssen. In aller Regel ist das nicht der Sonntagvormittag, sondern eher der Samstagnachmittag zwischen 15 und 19 Uhr. Gewünscht wird dabei kein starres Format, bei dem Kinder still sitzen müssen und Eltern in die „Aufpasserrolle“ fallen. Vielmehr ist ein offenes, auf Begegnung ausgelegtes Format attraktiv, in dem es verschiedene Angebote für unterschiedliche Bedürfnisse gibt.

Ein solches Format, das von den Bedürfnissen der Familien her denkt, haben wir uns genauer angeschaut: Kirche Kunterbunt.  Vor 20 Jahren hat Lucy Moore dieses Format unter dem Begriff Messy Church in einer anglikanischen Gemeinde „erfunden“. Seither wurde es tausendfach in anderen Gemeinden rund um den Globus ausprobiert und jeweils an den eigenen Kontext angepasst. Die Elemente darin sind nicht neu, es ist eher die Art und Weise und die Beteiligung vieler Menschen, die es zu einer „neuen Form von Kirche machen“, die Familien anspricht – und nicht nur solche, die Kirche bereits kennen.

„Aber ist Kirche Kunterbunt wirklich Kirche?“, fragte eine Vikarin. Das bringt uns ins gemeinsame Nachdenken über unsere Kirchenbilder und die Kriterien, nach denen wir Kirche definieren. Diese Gedanken nehme ich auch wieder mit, wenn ich mich am Abend aus dem Kloster Drübeck wieder auf den Weg mache und sie begleiten mich hinein ins weitere Nachdenken darüber, welchen Fragen wir in unserer Arbeit an der KÖW konkret nachgehen.

Katharina Freudenberg